Die Heizung von unterwegs regeln oder die Herzfrequenz vom Shirt checken lassen – klingt alles etwas surreal, aber die Technik ist schon lange so weit, diese Aufgaben zu stemmen. Während vor allem der Bereich der smarten Kleidung ständig weiterentwickelt wird, hinkt der stationäre Handel beim Thema Digitalisierung oft hinterher.

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Onlineshop: Größter Konkurrent des Einzelhandels
Dem Einzelhandel fehlen viele Features, die ein Onlineshop bietet und deshalb verliert er viele Kunden an die digitale Welt. Passende Zubehörartikel, ähnliche Produkte und tolle Modelfotos sind dort mit einem Klick präsent. Im stationären Handel läuft der Einkauf etwas zäher ab. Während online das neue Shirt teilweise virtuell anprobiert werden kann, muss sich der Kunde im Geschäft aus seinen Klamotten schälen und mühselig ein Oberteil nach dem anderen über die elektrisierten Haare ziehen.
Umkleide mit 360-Grad-Rundumsicht
Damit könnte die smarte Umkleidekabine nun Schluss machen. Sie soll dem Kunden das ultimative Shoppingerlebnis mit allem Schnickschnack bieten. Die smarte Umkleide erfüllt dem Kunden quasi jeden Wunsch, bevor er von ihn weiß. Die Kabine merkt, welche Kleidungsstücke mit hinein genommen werden und kann diese in unterschiedlichen Lichtverhältnissen, verschiedenen Situation und in einer 360-Grad-Ansicht am Kunden zeigen. Eine Anprobe ist überflüssig.
Persönliche Beratung auf Knopfdruck
Und damit nicht genug: Die intelligente Umkleide schlägt zur Jeans gleich das passende Oberteil vor. Bei einer modischen Angels Jeans für junge Frauen kann zum Beispiel ein Levi’s-Shirt angezeigt werden. Alternative Farben und Schnitte hat das Technikwunder ebenfalls in petto. Infos zu den Materialien, dem Label oder der Produktion gibt es on top. Beim Kunden können so offene Fragen gar nicht erst aufkommen.
Sollen Teile getauscht werden oder ist eine unabhängige Meinung gewünscht, klingelt er einfach nach einem kompetenten Verkäufer. Mit der Einbindung des größten Vorteils des stationären Handels, der persönlichen Beratung, schließt sich der Kreis.
Vernetzt mit Social Media
Das Sahnehäubchen bildet die Verbindung zwischen Umkleide und Smartphone. Durch diese kann während der Anprobe die beste Freundin per Videochat hinzugeschaltet werden, um sie nach ihrem Urteil zu fragen. Gefällt der neue Look richtig gut, kann er direkt in den sozialen Netzwerken gepostet werden – Interaktion pur. Die Daten vom Telefon wandern dabei nicht an das Geschäft weiter – das Kontaktbuch bleibt also privat. Hat jeder das neue Kleidungsstück abgesegnet, kann man den Kauf natürlich direkt in der Kabine abschließen.
Neuartige Technik als Belohnung
Aus der nervigen, anstrengenden Shoppingtour muss ein spannendes Einkaufserlebnis werden – an diesem Punkt setzt die intelligente Umkleidekabine an. Sie fasziniert mit ihrer Technik und gibt dem Kunden das Gefühl, etwas Neuartiges ausprobiert zu haben. Der Kunde wird also dafür belohnt, dass er sich auf den Weg nach draußen gemacht und nicht zu Hause den Onlineshop durchstöbert hat.
Ein Meilenstein für den digitalisierten Einzelhandel
Die smarte Umkleidekabine bringt die Digitalisierung im Einzelhandel um einiges voran und ergänzt bereits bestehende Gadgets. So kann der Verkäufer beispielsweise bereits dem Kunden mit einem Scan auf dem Smartphone beantworten, ob die Hose in der Wunschgröße beim Hersteller bestellbar ist oder es weitere Farben von dem Oberteil gibt, die gerade nicht im Laden sind. Spiegel, die die Rückansicht zeigen, ohne dass sich der Kunde verdrehen muss, gibt es auch unabhängig von der smarten Umkleide.
Zielgruppe: Junge Menschen
Bei der 70-jährigen Frau, die jedes Mal dieselbe Jeansmarke kauft, dürfte eine smarte Umkleide wohl lediglich genervtes Augenrollen hervorrufen – noch mehr Technik ist bei dieser Altersgruppe oft nicht gewünscht. Doch die soll auch gar nicht angesprochen werden, schließlich sind es die jungen Leute, die während der Zugfahrt nach Hause die neue Jeans auf dem Smartphone shoppen. Diese Zielgruppe kann von einem digitalisierten Shoppingerlebnis in die Fußgängerzonen gelockt werden und somit den Bestand des stationären Handels sichern.